Corona-Situation verstärkt Risiko für Gewalt gegen ältere Menschen

Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege

Der 15. Juni ist der Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen. Anlässlich dieses Jahrestages weist die Pflegeberufekammer SH auf eine gefährliche Folge der Pandemie hin: Gewalt gegen ältere und pflegebedürftige Menschen war schon vor Corona ein Thema, in der jetzigen Situation spitzt sie sich weiter zu.

Dabei kann Gewalt viele Gesichter zeigen – von Anschreien über grobes Anfassen bis zu Vernachlässigen. Zahlen der Weltgesundheitsorganisation, kurz WHO, zeigen: „Etwa jeder sechste Mensch ab 60 Jahren hat im vergangenen Jahr irgendeine Form von Gewalt in der Gemeinde erlebt“, sagt Marco Sander, Altenpfleger, Pflegewissenschaftler und Vorstandsmitglied der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. Gerade in familialen Pflegebeziehungen komme es häufig zu psychischer Gewalt gegen ältere Menschen. „Die Auslöser liegen oft in der Überforderung der pflegenden Angehörigen“, erläutert Sander, der in verschiedenen Projekten zur Gewaltprävention tätig ist. „Viele fühlen sich mit der Pflege allein gelassen.“ Da die Gewalt im Verborgenen stattfinde, sei eine exakte Angabe zur Häufigkeit von Gewalt in pflegerischen Beziehungen schwierig. „Die Dunkelziffer ist hoch.“

In der aktuellen Situation der Corona-Pandemie spitze sich das Problem nochmal zu, wie Rückmeldungen von Experten und aus der Praxis zeigen. „Vielfach wurde mit der ambulanten Pflege pausiert, Angebote der Tagespflege wurden eingeschränkt, osteuropäische Hilfskräfte sind zurück in ihre Heimat gekehrt“, sagt Sander. Die Folge: „Pflegende Angehörige wurden mit der Pflege komplett allein gelassen.“ Eine Rund-um-die Uhr-Betreuung allein durch die Angehörigen führe aber schnell in die Überforderung und könne das Risiko für Gewalt verstärken.

Beruflich Pflegende sollten gerade in der jetzigen Zeit wachsam für eine Überlastung pflegender Angehöriger sein und Betroffene ermutigen, sich im Krisenfall Hilfe zu suchen. „Es ist enorm wichtig, über das Thema zu reden. Gewalt darf kein Tabuthema sein“, betont Sander. „Wenn ich überlastet bin, muss ich darüber reden können.“ Dazu gebe es ein Netz an Angeboten, an das sich pflegende Angehörige, aber auch Pflegebedürftige in wenden können, zum Beispiel das PflegeNotTelefon in Schleswig-Holstein, das Alzheimer-Telefon, das Opfer-Telefon des Weissen Rings.

Der Welttag gegen die Misshandlung älterer Menschen wird jährlich am 15. Juni begangen. Ins Leben gerufen wurde der Tag 2006 von den Vereinten Nationen.

Foto: Gerd Altmann auf Pixabay

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