Gesetzentwurf: 20.000 zusätzliche Stellen für die stationäre Altenpflege

20.000 zusätzliche Stellen für die stationäre Altenpflege

Ein neues wissenschaftlich fundiertes Instrument zur Personalbedarfsmessung in der stationären Altenpflege liegt vor und soll nun auf den Weg gebracht werden. Das sieht der der Gesetzentwurf zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege (Versorgungsverbesserungsgesetz – GPVG) vor. Mit dem Gesetz sollen als erster Schritt weitere bis zu 20.000 zusätzliche Stellen für Pflegehilfskräfte in der Altenpflege vollständig über einen Vergütungszuschlag finanziert werden. Eine finanzielle Belastung der von den Pflegeeinrichtungen versorgten Pflegebedürftigen solle dadurch vermieden werden, heißt es in dem Referentenentwurf.

„Es ist wichtig und richtig, die stationäre Altenpflege mit deutlich mehr Personal auszustatten“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Allerdings sehen wir die Schaffung von Stellen für unqualifiziertes Hilfspersonal extrem kritisch. Der Zwischenbericht von Prof. Heinz Rothgang kommt zu dem Schluss, dass in der stationären Altenpflege vor allem qualifizierte Assistenzkräfte mit 1- bis 2-jähriger Ausbildung fehlten. Die Ausbildung dieser Assistenzkräfte wurde bisher vernachlässigt, in einigen Bundesländern fehlen entsprechenden Ausbildungsstrukturen komplett“, sagt Drube. „Pflegefachpersonen brauchen dringend gut qualifiziertes Assistenzpersonal, das sie in der Aufgabenerfüllung unterstützt. Für diese Personen brauchen wir also dringend eine Ausbildungsoffensive und Strukturen, die Durchlässigkeit nach oben ermöglichen. Wenn qualifiziertes Assistenzpersonal fehlt, bringen das neue Instrument zur Personalbedarfsmessung und das geplante Stellenprogramm wenig.“

Zum Hintergrund: Im Zweiten Pflegestärkungsgesetz hatte der Gesetzgeber der Selbstverwaltung auferlegt, bis zum Juni 2020 ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Messung des Personalbedarfs in der stationären Altenpflege vorzulegen. Prof. Dr. Heinz Rothgang von der Universität Bremen und sein Team hatten den Auftrag nach einer europaweiten Ausschreibung erhalten. Die Ergebnisse seiner Studie zeigen einen deutlichen Personalmehrbedarf in der Altenpflege: „Die Einrichtungen brauchen 36 Prozent mehr Personal, als sie es heute auf Basis der Stellenschlüssel haben. Oder anders formuliert: Es gibt einen Mehrbedarf von mehr als 100.000 Vollzeitäquivalenten. Bei den Pflegefachkräften liegt der Personalmehrbedarf bei 3,5 Prozent, bei den Pflegeassistenzkräften bei 69 Prozent“, erläutert Prof. Rothgang die Studienergebnisse.

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