Studie: Belastung und Stress durch Covid-19 bei Pflegenden am höchsten

Belastung und Stress durch Covid-19 bei Pflegenden am höchsten

Pflegekräfte sind durch die Covid-19-Pandemie stärker belastet als andere Gesundheitsberufe. Das zeigt die erste deutschlandweite Studie der Augsburger Universitätsmedizin, die die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Beschäftigten im Gesundheitswesen untersucht hat. Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal „European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience“ veröffentlicht.

Erhöhter psychosozialer Stress bei Pflegenden

Knapp 3.700 Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen nahmen an der Studie teil. Sie äußerten die Belastung durch subjektiven mentalen Stress, Sorgen um die persönliche Zukunft und die Gesundheit von Familienangehörigen sowie Angst, sich mit dem Virus anzustecken und es an Familie und Freunde zu übertragen. Am höchsten waren subjektive Belastung und Stress beim Personal auf Covid-19-Stationen sowie beim Pflegepersonal. Gründe für den erhöhten psychosozialen Stress in der Pflege könnten sein, dass Pflegende mehr Zeit in direktem Kontakt mit Patient*innen und deren Angehörigen verbringen und dadurch vermehrt deren Sorgen und Ängsten ausgesetzt sind, aber auch dem Virus selbst.

„Insbesondere für Pflegende und für Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in COVID-19-Risikobereichen sollte es niederschwellige Angebote zum Erkennen von beginnenden stress-assoziierten Erkrankungen und dem Erhalt der psychischen Gesundheit geben,“ sagt Studienautor Alkomiet Hasan.

Die Ergebnisse zeigten weiterhin, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen gemäß Selbstauskunft im Vergleich zur Gesamtbevölkerung einem deutlich höheren Ansteckungsrisiko mit Covid-19 ausgesetzt waren, insbesondere bei einem Arbeitseinsatz auf Stationen mit hohem Aufkommen von Covid-19-Patient*innen.

Überwiegend Zufriedenheit mit den Eindämmungsmaßnahmen

Insgesamt zeigen die Beschäftigten im deutschen Gesundheitswesen jedoch hohe Zustimmungsraten zu den von Krankenhäusern und Staat ergriffenen Maßnahmen und werteten sowohl das Maß an Unterstützung und Schutz als auch die Qualität der Versorgung von Patienten mit und ohne Covid-19-Infektion positiv. Auch die Fragen nach der Verfügbarkeit von persönlicher Schutzausrüstung wurden überwiegend positiv beantwortet. Die Befragten gaben nur selten die Antwort, sich von ihrem Arbeitgeber sehr im Stich gelassen zu fühlen und zeigten sich in der Mehrzahl willig, nach der Pandemie weiter im Gesundheitswesen arbeiten zu wollen.

Befragt wurden 3.669 Teilnehmer*innen Zeitraum vom 15. April bis 1. Mai 2020, aus Ärzteschaft und Pflege, außerdem Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen und Beschäftigte aus anderen Bereichen der Krankenversorgung. 2,8 Prozent der Befragten waren zum Zeitpunkt der Befragung positiv auf Covid-19 getestet worden, 26,5 Prozent gehörten zu Covid-19-Risikogruppen aufgrund von Vorerkrankungen, Alter oder aus anderen Gründen. Im Durchschnitt leisteten die Befragten zirka zwei Überstunden seit Beginn der Pandemie, behandelten im Schnitt zirka drei Patienten mit Covid-19 und berichteten, dass durchschnittlich 1,2 Freunde oder Familienmitglieder positiv auf Covid-19 getestet worden waren.

Hier kommen Sie zur Open Access-Veröffentlichung der Originalpublikation „Subjective burden and perspectives of German healthcare workers during the COVID-19 pandemic“.

 

Foto: Luke Jones/Unsplash

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