Ethikberatung richtet sich an alle Berufsgruppen

Die Idee einer multiprofessionellen Ethikbera­tung, die ortsnah und sektorübergreifend agieren kann, stößt auf große Resonanz. Die Pflegeberufekammer Schleswig-­Holstein hatte zusammen mit der Ärztekammer Schleswig-­Holstein und dem Palliativnetz Travebogen zur Vorstellung eines Vereinskonzeptes eingeladen. Gekommen waren rund 40 Akteure aus dem Gesundheitswesen: Alzheimergesellschaft, Hausärzteverband, Krankenkassen, Kompetenzzentrum Demenz, Hospizvereine, Selbsthilfegruppen, Krankenhaus/Kliniken usw. Das Konzept wurde von allen Seiten begrüßt.

„Ethikbe­ratung richtet sich an alle im Einzelfall be­teiligten Berufsgruppen im Gesundheits­wesen“, unterstrich Stephanie Wullf von der Pflegeberufekammer die Notwendigkeit eines multiprofessionellen Ansatzes. Zwar gibt es gerade in Ballungsräumen Ethikkommissionen in größeren Häusern. Doch: „Es treten aber immer wieder Problem auf, die mit den be­stehenden Strukturen nicht gelöst werden können“, betonte Prof. Dr. Henrik Herrmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein.

Der neue Ansatz hat zum Ziel, ein möglichst ortsnahes Beratungsangebot für Menschen in Behandlung oder Pflege, deren An- und Zugehörigen sowie allen in der Versorgung Tätigen zu schaffen. Dabei sollen die klinischen und außerklinischen Beratungsstrukturen vernetzt werden.

Was man erreichen möchte, ist eine Er­gänzung mit Einbeziehung vieler Berufs­gruppen und über die Sektoren hinweg. Das von Sebastian Heinlein vom Travebo­gen vorgestellte Konzept zum Start zeigte, wie anspruchsvoll diese Aufgabe sein wird – und dass sie nur erfüllt werden kann, wenn die Unterstützung dafür aus zahlreichen Bereichen des Gesundheitswesens kommt. Entstehen soll ein gemeinnütziger Ver­ein, der Angebote bündelt, der eine ortsna­he und niedrigschwellige Beratung ermög­licht, der dafür bestehende Strukturen ver­netzt und der Fortbildungen ermöglicht, die zum Beispiel die vielen zu berücksich­tigenden Perspektiven bei einer Ethikbera­tung verdeutlicht.

Die Ethikberatung soll durch Moderation und Information bei moralischen Konflikten und Unsicherheiten im Gesundheitswesen unterstützen, um tragfähige Entscheidungen herbeizuführen. Sie richtet sich an alle im Einzelfall beteiligten Berufsgruppen im Gesundheitswesen (z.B. Ärzt*innen, Pflegende) sowie an Patient*innen, deren Stellvertretung, An- und Zugehörige. Der entstehende Verein soll später die Kontaktaufnahme innerhalb von zwei Tagen ermöglichen, jedoch keine Notfallintervention anbieten. Neben Einzelberatungen und Fallbesprechungen sollen Informationen und Moderationen angeboten werden. Die Beratung sollen mit Handlungsempfehlungen auf der Basis einer hohen Fachlichkeit (K1-zertifiziert nach AEM, mind. 2 Jahre Erfahrung) erfolgen.

„Pflegefachpersonen sind gemäß ihre Berufsethik Fürsprecherinnen für die Patientinnen und Patienten, die sich häufig nicht mehr äußern oder zumindest nicht für die Respektierung ihres Willens einsetzen können. Aber was ist der mutmaßliche Wille einer Patientin im Krankenhaus, die sich nicht mehr äußern kann und die nicht dabei unterstützt wurde, eine aussagekräftige Patientenverfügung zu verfassen?“ so Carola Neugebohren, Vorstand der Pflegeberufekammer SH in ihrem Grußwort.

Für November ist die Vereinsgründung geplant.

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