Welthospiztag 2020: Sterbende Menschen in der COVID-19-Pandemie

Welthospiztag 2020

Anlässlich des Welthospiztages am 10. Oktober 2020 macht die Pflegeberufekammer in einer Pressemitteilung auf die Situation sterbender Menschen und ihrer Angehörigen aufmerksam. Diese gehören mit zu den Leidtragenden der COVID-19-Pandemie, ebenso wie die beruflich Pflegenden in der palliativen Versorgung. Denn Sterben in der Pandemie ist einsam geworden. Die Anzahl der Besucher in palliativen Einrichtungen ist begrenzt, ebenso die Besuchsdauer. Der sterbende Mensch ist rund um die Uhr von maskierten Menschen umgeben, tröstende Berührungen müssen entfallen oder werden mit Einmalhandschuhen durchgeführt. „Die momentane Situation widerspricht absolut dem Grundgedanken der Hospizarbeit“, sagt Carola Neugebohren, Vorstandsmitglied der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein und Bereichsleiterin im Palliativnetz Travebogen. „Hospizpflege bedeutet, ganzheitlich auf die Bedürfnisse des Sterbenden und seiner Angehörigen einzugehen, der kranke Mensch steht dabei immer im Mittelpunkt. Unter COVID-19 ist eine solche patientenzentrierte Betreuung nicht möglich.“

Sofortige Testungen und angepasste Maßnahmen

Ein guter Infektionsschutz sei bei steigenden Zahlen zwar wichtig, allerdings müsse dieser mit Augenmaß erfolgen und die Würde des Sterbenden im Blick behalten. Es komme zum Beispiel viel zu häufig vor, dass schwerstkranke und sterbende Menschen bei Verdacht auf COVID-19 über Tage auf ihr Testergebnis warten und solange in Quarantäne gehen müssten. „Das darf nicht sein, bei Sterbenden zählt jeder Tag“, betont Neugebohren. „Das ist Lebenszeit, die nicht mehr nachgeholt werden kann.“ Corona-Tests müssten bei dieser Patientengruppe sofort erfolgen und umgehend ausgewertet werden.

Und auch wenn die Besuchsbegrenzungen mittlerweile gelockert wurden, sind die Einschränkungen für Sterbende und ihre Angehörigen noch stark. „Ich kenne Frauen, die 20 Jahre lang ihren Mann gepflegt haben und gerade in seiner letzten Lebensphase nur noch eine Stunde am Tag zu ihm dürfen“, berichtet Neugebohren. Andere Sterbende könnten ihre Enkel nicht mehr sehen, um die maximale Anzahl an Besuchern nicht zu überschreiten. Neugebohren plädiert für zeitlich unbegrenzte Besuche und Maßnahmen, die an die regionale Gefährdungslage angepasst sind: „Bei steigenden Infektionszahlen können Vorsichtsmaßnahmen verstärkt, bei niedrigen Zahlen gelockert werden.“ Was zähle, seien die Lebensqualität und die Würde der Betroffenen.

Hohe Belastung auch für Pflegefachpersonen

Auch für die beruflich Pflegenden sei die Begleitung sterbender Menschen in der jetzigen Situation sehr belastend. „Sie sind sich bewusst, wie wichtig die Schutzmaßnahmen sind, um das Virus nicht weiterzutragen. Gleichzeitig sehen sie, wie dringend die sterbenden Menschen Zuwendung und Kontakt benötigen – das ist ein fortwährendes Dilemma“, sagt Neugebohren. Hinzu komme, dass die Pflegenden in dieser Zeit die Trauer und oft auch die Wut der pflegenden Angehörigen zu spüren bekommen, die gerne mehr Zeit mit dem sterbenden Menschen verbringen möchten. Auch diese Emotionen müssen die Pflegenden auffangen. „Die Pflegenden leisten in der gegenwärtigen Situation das Beste, was sie können. Trotzdem wissen wir, dass das für die Betroffenen aufgrund der besonderen Situation oft nicht gut genug ist“, sagt Neugebohren.

Der Welthospiztag findet jährlich am zweiten Samstag im Oktober statt. Er wurde 2005 erstmals durch die Worldwide Hospice Palliative Care Alliance (WHPCA) initiiert. Der Tag soll dazu dienen, auf die oftmals tabuisierten Themen wie Tod, Sterben und Trauer sowie die professionelle sowie ehrenamtliche Hospizarbeit aufmerksam zu machen.

 

Foto: truthseeker08 auf Pixabay

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