COVID-19: Gut ein Drittel des Gesundheitspersonals entwickelt Depression

COVID-19: Gut ein Drittel des Gesundheitspersonals entwickelt Depression und Angststörungen

Das Personal im Gesundheitssektor ist durch die Corona-Pandemie überdurchschnittlich hoch psychisch belastet. Darauf weisen die Ergebnisse einer Studie der PFH Privaten Hochschule Göttingen hin. 34,6 Prozent des Gesundheitspersonals entwickelten während der Pandemie mittlere bis schwere Depressionssymptome, in der Allgemeinbevölkerung lagen vergleichbare Werte bei 18,5 Prozent. Auch kam es deutlich häufiger zu Angststörungen. 16,7 Prozent des Gesundheitspersonals erzielte mittlere bis schwere Werte auf der Angststörungsskala, in der Allgemeinbevölkerung wiesen hingegen 10,6 Prozent mittlere bis schwere Symptome auf. Für die Studie wurden zwischen Mai und Juli 2020 insgesamt 300 Gesundheitsfachkräfte befragt, die zu einem großen Teil aus der Kranken- und Altenpflege kamen.

„Unsere Ergebnisse bestätigen andere Untersuchungen, nach denen Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen sich eher sorgen, dass sie Familienmitglieder anstecken als dass sie selbst infiziert werden“, sagt Prof. Dr. Stephan Weibelzahl, Studienleiter und Professor für Wirtschaftspsychologie an der PFH Private Hochschule Göttingen. „Wir gehen davon aus, dass die Sorge um das physische und psychische Wohlergehen ihrer Mitmenschen – Patient*innen wie auch Kolleg*innen, Freundeskreis und Familie – in Verbindung mit der erhöhten Unsicherheit und den stark eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten – die Symptombelastung verstärken. Das medizinische Personal ist unmittelbar mit den Auswirkungen einer Gesundheitskrise konfrontiert, gegen die es selbst kaum etwas unternehmen kann; das führt zu starker psychischer Belastung“, so Weibelzahl.

Ein zweiter wichtiger Befund der Studie ist, dass neben der hohen psychischen Belastung der Mitarbeiter*innen im Gesundheitssektor diese eine geringe Bereitschaft aufweisen, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Rund 60 Prozent der Befragten mit Symptomen von psychischen Störungen gaben an, keine Hilfe für den Umgang mit den psychischen Belastungen der Pandemie in Anspruch nehmen zu wollen. „Dies wurde zumeist so begründet, dass man selbst keine Hilfe brauche, weil man nicht schwer genug belastet sei oder schon genug Unterstützung im eigenen Umfeld habe. Auch dass andere die Hilfe dringender bräuchten, wurde häufig genannt“, sagt Weibelzahl.

„Gerade jetzt, bei steigenden Inzidenzzahlen, müssen die Mitarbeitenden in Kliniken und Pflegeeinrichtungen bestmöglich gestärkt und unterstützt werden“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Die Pandemie wird noch eine Weile anhalten und die Pflegenden sind schon jetzt stark belastet. Arbeitgeber*innen müssen dafür Sorge tragen, dass es Möglichkeiten gibt, sich innerhalb des Teams über erlebte Belastungen auszutauschen und professionelle Hilfen in Anspruch zu nehmen.“ Dazu gehören psychologische Beratungen, Supervisionen – notfalls auch virtuell – sowie die Bestätigung der Vorgesetzten, wie wichtig es ist, auf die eigene psychische Gesundheit zu achten und Hilfsangebote zu nutzen.

Hinweis: Für berufliche Pflegende, die sich belastet oder überfordert fühlen, gibt es ein bundesweites Beratungsangebot während der Corona-Pandemie. Über die Internetplattform www.psych4nurses.de können sie kurzfristig und kostenfrei 30-minütige Telefonberatungstermine mit Psychotherapeut*innen buchen. Das Angebot ist ein gemeinsames Hilfsangebot des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe und der Bundespsychotherapeutenkammer.

Hier können Sie mehr über die Studie erfahren.

Grafik: PFH, Foto: Unsplash

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