Studie beleuchtet: Wie stehen Ärzte und Pflegende zur Sterbehilfe?

Studie Sterbehilfe

Eine Studie der Universität Witten/Herdecke hat erstmals Haltung und Praxis der Sterbehilfe bei medizinischem Personal in Deutschland untersucht. Rund 2.500 Ärzt*innen und 2.700 Pflegende nahmen an der anonymisierten Online-Befragung teil. Die Ergebnisse zeigen: Sterbehilfe wird durch ärztliche und pflegerische Mitarbeiter*innen und in deutschen Krankenhäusern praktiziert. In der Studie werden das Vorkommen unterschiedlicher Formen von Sterbehilfe und relevante Einflussfaktoren diskutiert.

Die Hälfte der Ärzt*innen und ein Drittel der Pflegenden berichten von Fällen der passiven bzw. indirekten Sterbehilfe, die unbeabsichtigt das Leben verkürzt hat. Diese Art der Sterbehilfe macht über 90 Prozent der berichteten Fälle aus. Aktive Sterbehilfe hatten der Studie zufolge 84 Ärzt*innen in den letzten zwei Jahren ausgeführt und 65 Pflegende. Im Mittel gaben beide Gruppen zwei Fälle von aktiver Sterbehilfe in den zurückliegenden zwei Jahren an. In der Umfrage lehnte die Mehrheit der Ärzt*innen eine aktive Sterbehilfe ab, lediglich die Pflegenden äußerten teilweise Zustimmung, wenn auch eine aktive Sterbehilfe von Ärzt*innen durchgeführt würde. Über die Hälfte der Pflegenden berichteten zudem, dass sie in mindestens einem konkreten Fall der Auffassung gewesen seien, dass aktive Sterbehilfe „um jemanden von seinem Leid zu erlösen“ sinnvoll gewesen wäre. Nur ein Viertel der Ärzt*innen kam zu dieser Haltung.

„Zwischen den Themenfeldern Sterbehilfe, assistierter Suizid, Tötung auf Verlangen und Patiententötungen kommt es immer wieder zu Abgrenzungsproblemen“, sagt Prof. Dr. Karl H. Beine, Studienleiter und emeritierter Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie der Universität Witten/Herdecke. „Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar 2020 geurteilt, dass Menschen, die frei entscheiden können, für ihren Suizid auch die Hilfe von Dritten in Anspruch nehmen dürfen. Für Ärztinnen und Ärzte und Pflegende in den Kliniken sind Grenzsituationen häufig und belastend, und um die ging es in der Studie.“ Prof. Beine hat in seiner Befragung genau unterschieden zwischen passiver Sterbehilfe, indirekter Sterbehilfe, assistiertem Suizid und aktiver Sterbehilfe.

Passive Sterbehilfe: Zurückhalten einer lebenserhaltenden oder -verlängernden Behandlung nach Einwilligung des Patienten, dessen Tod nicht gewollt, sondern eine unbeabsichtigte oder in Kauf genommene Folge darstellt.

Indirekte Sterbehilfe: Gabe eines Medikaments (z. B. Opioide) zur Schmerzlinderung nach Einwilligung des Patienten, dessen Tod nicht gewollt, sondern eine unbeabsichtigte oder in Kauf genommene Folge darstellt.

Assistierter Suizid: Aushändigung eines Medikaments an einen Patienten zur selbstständigen Beendigung seines Lebens.

Aktive Sterbehilfe: Aktive Handlungen, die eine Beendigung des Lebens eines Patienten beabsichtigen bzw. zum Ziel haben. Unterschieden wird zwischen „Tötung auf Verlangen“ und „Tötung ohne explizite Willensäußerung“.

Die Studie ist aktuell in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift erschienen.

 

Foto: Lolame auf Pixabay

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