Urteil: Keine Fixierung bei nächtlicher Sturzgefahr

Urteil: Keine Fixierung bei nächtlicher Sturzgefahr

Pflegeheime müssen verwirrte Bewohner*innen nicht durch Bettgitter oder andere Fixierungen am nächtlichen Verlassen des Bettes hindern. Das betonte das Landgericht Köln in einem Anfang November 2020 verkündeten Urteil (Az.: 3 O 5/19). Die Kölner Richter verwiesen dabei auf die Einschätzung einer Sachverständigen, dass eine Bettfixierung oder Bettgitter „sogar kontraindiziert“ seien. Eine Fixierung könne zur Strangulation führen. Darüber hinaus führe die erzwungene nächtliche Immobilität zu einem Muskelabbau, was das Sturzrisiko langfristig erhöhe. Bettgitter seien gerade für Menschen, denen die nötige Einsicht fehle, riskant. Sie könnten möglicherweise versuchen, über die Gitterstäbe zu klettern und dann aus noch größerer Höhe fallen.

Zum Fall: Die Mutter der Klägerin, damals 94 Jahre alt, wurde im April 2018 in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung untergebracht. Am 12. April 2018 stand sie nachts auf, stürzte und zog sich eine Platzwunde zu. Acht Tage später stand sie in der Nacht erneut auf, verließ ihr Zimmer und wurde im Speisesaal schwer verletzt aufgefunden. Sie wurde mit Hirnblutungen und einem gebrochenen Oberschenkel ins Krankenhaus eingeliefert und starb dort vier Monate später. Die Tochter forderte vom Heimträger Schmerzensgeld von mindestens 35.000 Euro. Sie war überzeugt, dass der Tod der Mutter die Folge des Sturzes war und ihre Mutter vor nächtlichen Ausflügen durch Fixierung oder Verwendung von Bettgittern hätte bewahrt werden müssen. Das Landgericht Köln wies mit Urteil vom 27. Oktober 2020 die Klage jedoch ab. Es gebe keinen Pflegefehler.

„Das Urteil des Landgerichts Köln ist sehr hilfreich und wichtig für die Pflegepraxis“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Es bestärkt uns als Pflegefachpersonen darin, aktuelles Fachwissen anzuwenden, anstatt uns zu einem pflegewissenschaftlich nicht vertretbaren Einsatz von freiheitseinschränkenden Maßnahmen drängen zu lassen.“

 

Foto: Pixabay

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