„Die Unzufriedenheit der Pflegeprofis ist sehr hoch.“

In einer großen Online-Umfrage zu Beginn des Jahres wurden Pflegende zu ihrer Arbeitssituation befragt. Interview mit Stephanie Wullf, Projektleitung und Pflegereferentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein.

 

Frage: Frau Wullf, Sie haben im März und April 2020 Pflegeprofis in Schleswig-Holstein zu ihrem Berufsalltag befragt. Wie war die Resonanz auf die Umfrage?

 

Stephanie Wullf: „Sehr gut. Die Online-Umfrage wurde mehr als 2.550-mal geöffnet, knapp 1.900 Bögen konnten ausgewertet werden. Das ist eine tolle Resonanz, die uns zeigt, dass es vonseiten der Pflegenden ein großes Interesse gibt, zur Verbesserung der eigenen Situation beizutragen. Viele nutzten die offenen Antwortmöglichkeiten, um ihre Arbeitssituation zu beschreiben und gewährten uns Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Einen großen Dank dafür!”

 

Frage: Was sind die zentralen Ergebnisse der Befragung?

Stephanie Wullf: „Die Unzufriedenheit unter den Plegenden in Schleswig-Holstein ist sehr hoch. Viele plagen sich mit dem Gedanken, den Beruf zu verlassen. Am höchsten ist dabei die Unzufriedenheit mit der Bezahlung, gefolgt von den Arbeitsbedingungen sowie der Organisation und Leitung der Einrichtung. Positiv ist hervorzuheben: Die Zufriedenheit mit der eigentlichen pflegerischen Tätigkeit, den Teamkollegen und  den direkten Vorgesetzten ist recht hoch.”

 

Frage: Hat die hohe Unzufriedenheit eventuell damit zu tun, dass die Befragung während der Corona-Pandemie erfolgte?

Stephanie Wullf: „Davon gehen wir nicht aus. Aus der Arbeitspsychologie wissen wir, dass Arbeitszufriedenheit immer aus dem Rückblick herrührt: Es geht also nicht um Momenterfahrungen, sondern um das Gesamtgefühl, das aus den vergangenen Arbeitsjahren resultiert. Je zufriedener die Mitarbeitenden sind, desto seltener werden sie kündigen und die Stelle wechseln oder gar ganz aus dem Beruf aussteigen.”

 

Frage: Wer hat an der Umfrage teilgenommen?

Stephanie Wullf: „Mehr als drei Viertel der Befragten sind Frauen. Das Durchschnittalter beträgt 45 Jahre mit einer durchschnittlichen Berufserfahrung von 23 Jahren. Der Großteil der Befragten kommt mit 51,6 Prozent aus dem Krankenhaus, gut ein Viertel arbeitet in der ambulanten und Langzeitpflege, der Rest verteilt sich auf unterschiedliche Bereiche. Die meisten der Befragten arbeiten im direkten Kontakt zu Menschen mit Pflegebedarf.”

 

Frage: Wie gehen Sie mit den Ergebnissen weiter um?

Stephanie Wullf: „In einem zweiten Schritt werden wir die offenen Antwortmöglichkeiten auswerten, die von den Pflegenden reichlich genutzt wurden. Hier werden sehr spezifische Belastungen deutlich, zum Beispiel mangelnde Wertschätzung oder häufiges Holen aus dem Frei. Anhand der Ergebnisse werden wir dann betriebliche Bedingungen definieren und diese können modellhaft in Kliniken und Pflegeeinrichtungen erprobt werden. Wir hoffen sehr, dass das Land Schleswig-Holstein unser Vorhaben weiter unterstützt.”

 

 

 

Kommentare sind geschlossen.

Newsletter-Popup

Jetzt den Pflegeberufekammer-Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben.

Felder mit einem * sind Pflichtfelder



Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unseren Datenschutzbestimmungen zu.