Kammer fordert monatlich 1.000 Euro brutto mehr für Pflegende auf Corona-Stationen

Corona-Station

Pflegefachpersonen, die auf einer Corona-Station arbeiten, leisten Außergewöhnliches und sind mit hohen Belastungen konfrontiert. Dieser Einsatz für die Gesellschaft bedarf einer besonderen Anerkennung, sagt die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein in einer Pressemitteilung von Ende November. Sie fordert eine Leistungszulage von monatlich 1.000 Euro brutto für alle Pflegenden, die täglich Patient*innen und Bewohner*innen mit COVID-19 betreuen. Zudem müssen Arbeitsbedingungen sichergestellt werden, die die Pflegenden nicht in die Erschöpfung treiben.

Pflegefachpersonen, die Menschen mit COVID-19 pflegen, stehen unter einem enormen Druck – ob auf Intensivstationen oder in Pflegeeinrichtungen. „Das Arbeiten mit FFP2-Masken, Gesichtsschildern und Schutzanzügen bedeutet eine große körperliche Belastung und einen nicht zu unterschätzenden zeitlichen Mehraufwand“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Zusätzlich ist der Betreuungsaufwand dieser Patienten stark erhöht. Gerade auf Intensivstationen sind viele COVID-19-Erkrankte deutlich pflegeintensiver als andere Intensivpatienten, sodass eigentlich eine 1:1-Betreuung erforderlich wäre. Doch davon sind wir weit entfernt. Hinzu kommt: Die erforderlichen Pausen- und Regenerationszeiten können auf einer Corona-Station nicht immer eingehalten, eine eigene Infektion trotz Schutzmaßnahmen nicht ausgeschlossen und Einschränkungen im Privatleben nicht vermieden werden. Auch die psychische Belastung für Pflegende, die Menschen mit COVID-19 betreuen, ist extrem hoch.“

Gefordert: Eine monatliche Leistungszulage für Pflegende auf Corona-Stationen

„Pflegende, die täglich Menschen mit COVID-19 betreuen, leisten Außergewöhnliches für die Gesellschaft“, betont Drube. „Diese Leistung erfordert eine besondere Wertschätzung. Der Einsatz auf einer Corona-Station dauert in der Regel nicht wenige Tage oder Wochen, es geht um Monate – und in dieser Zeit häuft sich die Belastung der Pflegenden an. Ohne zusätzliche Anerkennung verbrennen wir genau diejenigen, die wir in der Pandemie am meisten brauchen. Wir fordern deshalb für alle Pflegenden, die in der Pflege von COVID-19-Patienten eingesetzt sind, eine monatliche Leistungszulage von 1.000 Euro brutto pro Vollzeit-Stelle.“

Diese Zulage sollte solidar- oder steuerfinanziert werden und über den Zeitraum der Pandemie an alle Pflegenden gezahlt werden, die in Kliniken und Pflegeeinrichtungen täglich COVID-19-Patienten pflegen. „Die Pandemie fordert zwar von allen Pflegenden ihren Tribut, aber gerade diejenigen, die im täglichen Kontakt mit COVID-19-Erkrankten stehen, sind nachweislich besonders belastet“, sagt Drube. „Sie sollten nicht nur eine ideelle, sondern auch eine finanzielle Anerkennung ihrer Leistung erhalten.“

Weitere Maßnahmen zum Schutz der Pflegenden erforderlich

Darüber hinaus sei es unerlässlich, in der Pandemie Arbeitsbedingungen sicherzustellen, die die Pflegenden nicht in die Erschöpfung treiben. Dazu gehören die Einhaltung der Personaluntergrenzen, des Arbeitszeitgesetzes und der Vorgaben der Berufsgenossenschaft für Wohlfahrtspflege (BGW), zum Beispiel, was die maximale Arbeitszeit mit angelegter FFP2-Maske betreffe. „Es braucht zudem regelmäßige, freiwillige Testungen des Pflegepersonals auf COVID-19 und selbstverständlich Quarantäne bei positivem Testergebnis – auch ohne Symptome“, sagt Drube. „Das dient nicht nur dem Schutz von Patienten, Bewohnern und Klienten, sondern auch dem der Familien und des Lebensumfelds der Pflegenden.“ Eine eingehaltene Quarantäne helfe zudem, die Arbeitsfähigkeit der Pflegenden zu erhalten – eine Rekonvaleszenz im Stationsbetrieb dauere, speziell in der Krise, erfahrungsgemäß deutlich länger.

Für die Zukunft sei es wichtig, ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Personalbemessung zu entwickeln. Bis dahin sollte die PPR 2.0 als vorläufige Personalbemessungsgrundlage im Krankenhaus umgehend umgesetzt werden. Für die Intensivstationen eignet sich das Instrument der PPR allerdings nicht. Hier könnte alternativ das Instrument INPULS® (IntensivPflege Und LeistungserfassungsSystem) genutzt werden, das am Universitätsklinikum Heidelberg entwickelt wurde. „Nur auf der Grundlage einer evidenzbasierten Personalbemessung wird es uns gelingen, dass Pflegende langfristig in diesem Beruf bleiben und wir gleichzeitig eine sichere Patientenversorgung gewährleisten können“, so Drube.

 

Foto: Pixabay

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