Nachruf: Pflege trauert um Schwester Liliane Juchli

Schwester Liliane Juchli

Sie war Pionierin, Vorbild und Wegbegleiterin. Bis zuletzt hat sie sich für eine starke und selbstbestimmte Pflege eingesetzt. Am 30. November 2020 ist Schwester Liliane Juchli im Alter von 87 Jahren in der Einrichtung „Haus der Pflege“ im schweizerischen Bern gestorben. Sie hatte sich, bereits durch eine hartnäckige Infektion geschwächt, mit Covid-19 angesteckt. Den Kampf gegen dieses Virus habe sie nicht mehr gewinnen können, berichtet der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK.

Bekannt geworden ist Schwester Liliane Juchli durch ihr 1973 erstmals erschienenes „Lehrbuch für die Allgemeine und Spezielle Krankenpflege“, das sich schnell zum Standardwerk entwickelte. „Die Juchli“, wie es in der Fachszene liebevoll genannt wurde, hat Generationen von Pflegenden durch die Ausbildung getragen, mehr als eine Million Exemplare wurden bisher verkauft. In den 1980er Jahren begründete Juchli das Konzept der Aktivitäten des täglichen Lebens für die Pflegeausbildung. Sie prägte damit ein ganzheitliches Pflegeverständnis, das bis heute maßgeblich ist.

Schwester Liliane Juchli setzte sich in vielen Vorträgen und Veröffentlichungen für eine professionelle und starke Pflege ein. Bis ins hohe Alter begeisterte sie ihre Zuhörer*innen – und sprach gerade den jungen Pflegenden aus dem Herzen. Sie fand immer die richtigen Worte und regte ihre Kolleg*innen oft an, selbst für ihren Berufsstand aktiv zu werden: „Machen Sie sich bewusst, dass Sie nie nur Ausführende sind, sondern auch immer Gestaltende!“, sagte sie zum Beispiel auf einem Vortrag in Bielefeld. Und sie forderte auf: „Sie müssen sich einmischen – mit Mut, Freude und ein bisschen Frechheit!“ Viele Pflegende standen nach ihren Auftritten Schlange, um ein Autogramm oder ein Selfie mit ihr zu bekommen – und für jeden war sie mit ihrem Lächeln da. Wer das Glück hatte, ihr einmal persönlich zu begegnen, war von ihrem Strahlen schnell gefangen.

Noch im Frühling dieses Jahres wandte sie sich in einer knapp zehnminütigen Audiobotschaft an die Pflegenden und dankte ihnen für ihren Einsatz in dieser Pandemie. „Sie, liebe Kolleginnen, stehen an der vordersten Front und leisten in diesen außerordentlichen Zeiten ganz selbstverständlich Ihren Dienst“, lobte sie ihren Einsatz. „Die Pflegenden halten die Stellung dort, wo sie direkt oder indirekt gebraucht werden, ja, unverzichtbar sind. Sie leisten in diesen Wochen und Monaten Großes.“

„Schwester Liliane Juchli hat Generationen von Pflegenden begleitet, geprägt, inspiriert“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Auch ich habe nach ‚der Juchli‘ gelernt – und durfte sie 2011 auf einem Kongress in Krefeld persönlich kennenlernen. Schwester Liliane Juchli hat sich über Jahrzehnte hinweg mit Leidenschaft und unermüdlichem Einsatz für eine professionelle und menschliche Pflege eingesetzt. Sie ist uns gleichermaßen Vorbild und Inspiration, und das wird sie auch bleiben. Juchlis bevorzugtes Symbol war immer der Leuchtturm – und genaue diese Bedeutung hat sie auch für die Pflege: ein unverzichtbarer Wegmarker, der einer ganzen Berufsgruppe Sicherheit und Orientierung gibt. Sie wird uns sehr fehlen.“

Hier finden Sie die letzte Audiobotschaft von Schwester Liliane Juchli.

 

Foto: SBK

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