Pflegebonus sorgt weiter für Frust – Es muss sich dauerhaft etwas ändern

Pflegebonus sorgt weiter für Frust

Der Pflegebonus war gut gemeint, hat aber sein Ziel – die Leistungen aller Pflegenden in der Pandemie wertzuschätzen – verfehlt. Denn viele Pflegende in Schleswig-Holstein gehen leer aus, und das Unverständnis und der Unmut darüber sind groß. Darauf weist die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein in einer Pressemitteilung hin und fordert: Das, was Pflegende für die Gesellschaft leisten, muss dauerhaft gewürdigt werden – in Form von mehr mehr Kollegen, mehr Anerkennung und mehr Gehalt. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Kammer die bundesweit einmalige Kampagne #pflegeverdientmehr ins Leben gerufen.

Rund 56 Millionen Euro hat das Land Schleswig-Holstein in die Hand genommen, um die Bundesprämie für Pflegende in der stationären Langzeitpflege aufzustocken und den Mitarbeiter*innen in den Krankenhäusern ebenfalls einen Bonus zu zahlen. „Wir würdigen diese Initiative ausdrücklich“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Jedoch war dieser lobenswerte Ansatz nicht zu Ende gedacht, denn viele Pflegende haben von diesem Bonus nicht profitiert, zum Beispiel in Rehakliniken, in der Forensik, in Dialysepraxen oder auch in Gesundheitsämtern. Die Pflegenden, die keinen Bonus erhalten haben, sind verständlicherweise frustriert und werten dies als Herabwürdigung oder zumindest Nichtanerkennung ihrer Leistungen während der Pandemie“, sagt Drube. „Wir als Pflegeberufekammer haben mehrfach angemahnt, dass die noch nicht berücksichtigten Bereiche nachträglich für den Bonus aufgenommen werden. Es ist bedauerlich, dass dies nicht erfolgt ist, und die gut gemeinte Prämie somit bei vielen Pflegenden letztendlich für Frust gesorgt hat.“

Boni sind kein Ersatz für dauerhafte gute Arbeitsbedingungen

In der Corona-Pandemie habe man weltweit eindrucksvoll gesehen, wie unentbehrlich die beruflich Pflegenden für die Gesellschaft sind. „Diese Leistung kann auch nicht allein über einen einmaligen Bonus abgegolten werden, sondern verdient dauerhaft eine andere Wertschätzung“, betont Drube. „Dazu gehört auch, dass wir uns als Gesellschaft fragen müssen: Wie viel ist uns eine gute Pflege wert und wie viel sind wir bereit, dafür zu zahlen? In der Krise sehen wir, dass Pflegeheime in einen absoluten Notstand geraten oder Intensivstationen keine Patienten mehr aufnehmen können, wenn es an Pflegenden mangelt. Wenn wir diese existenzielle Bedeutung der Pflege erkannt haben, muss uns bewusst sein: Pflege ist mehr wert und Pflege verdient mehr, als mit kurzfristigem Applaus, leeren Versprechungen und kleinen hingeworfenen Brocken hingehalten zu werden.“

Kampagne wirbt für echte Pflegewende

Mit einer groß angelegten Kampagne (#pflegeverdientmehr) wendet sich die Pflegeberufekammer deshalb an die Bevölkerung und wirbt für mehr Personal, mehr Anerkennung und mehr Gehalt. „Wir werden nicht nachlassen, uns für langfristig verbesserte Arbeitsbedingungen in der Pflege einzusetzen“, sagt Patricia Drube. „Dafür benötigen wir eine breite Unterstützung aus der Gesellschaft, um den verantwortlichen Entscheidern im Gesundheitssystem deutlich zu machen: Pflege ist der Gesellschaft mehr wert und Pflegende sollten diese Wertschätzung auch in Form von besseren Arbeitsbedingungen zu spüren bekommen. Wir möchten eine echte Pflegewende einläuten.“

Nicht nur vor dem Hintergrund der Pandemie, sondern auch angesichts der Überalterung der Pflegeberufe bestehe dringender Handlungsbedarf, sagt die Kammerpräsidentin. „In Schleswig-Holstein werden in den nächsten zehn bis zwölf Jahren knapp 40 Prozent aller Pflegefachpersonen in den Ruhestand gehen. Wir müssen also dringend in bessere Arbeitsbedingungen für Pflegende investieren, sonst steuern wir auf einen dramatischen Engpass in der pflegerischen Versorgung zu.“

Machen Sie mit und unterschreiben Sie für eine bessere Pflege, denn #pflegeverdientmehr.

 

Foto: Pixabay

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