Studie: Mitarbeitergesundheit in Krisenzeiten bewusst unterstützen

Psychische Belastungen in der Pandemie

Wie hoch ist das Risiko für medizinisches Fachpersonal, während der Pandemie eine Depression oder eine Angststörung zu entwickeln? Wie wirken sich die Belastungen auf die Arbeit aus? Zu diesem Thema befragte ein Team des Universitätsklinikums Erlangen, zwischen April und Juni 2020 gemeinsam mit den Psychosomatischen Abteilungen der Universitätsklinika Bonn, Dresden, Köln und Ulm 8.071 Teilnehmende aus dem deutschen Gesundheitsbereich, darunter 3.060 Beschäftigte der fünf Universitätsklinika.

Die Studie ist die bisher größte wissenschaftliche Erhebung zur psychischen Gesundheit der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen. Die Erkenntnisse der Online-Befragung sollen zu einem verbesserten Pandemiemanagement beitragen, damit die Mitarbeitergesundheit in Krisenzeiten bewusst unterstützt werden kann. Seit dem 16. November 2020 läuft eine zweite Befragungswelle mit erneut hoher Beteiligung der Beschäftigten im Gesundheitswesen.

Eine besonders interessante Erkenntnis ist, dass die psychische Belastung des medizinischen Fachpersonals im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung zwar vor dem Auftreten von SARS-CoV-2 signifikant höher war. Jedoch fielen die Belastungswerte der Beschäftigten im Gesundheitswesen während der Pandemie signifikant geringer aus als die in der Bevölkerung. „Das spricht für eine gute Fähigkeit zur Bewältigung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, erläutert Prof. Dr. Yesim Erim, Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. Die Prävalenz für Depressionen und Angstzustände bei Ärztinnen und Ärzten lag bei 17,4 bzw. 17,8 Prozent lag, während Pflegefachkräfte mit 21,6 Prozent bzw. 19,0 Prozent etwas höhere Belastungswerte aufwiesen.

Bei der Analyse der Risikofaktoren für Depressionen zeigte sich außerdem, dass die höheren Werte hier vor allem mit unzureichender Erholung in der Freizeit, vermehrtem Alkoholkonsum sowie geringem Vertrauen in die Unterstützung durch die unmittelbaren Kolleg*innen bei Schwierigkeiten während der Arbeit verbunden waren. Darüber hinaus standen erhöhte Angstwerte im Zusammenhang mit der Befürchtung, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. „Dank dieser Ergebnisse können wir Empfehlungen für zielgerichtete ressourcenstärkende Unterstützungsangebote aussprechen, die den Beschäftigten helfen, konkrete Krisen wie diese Covid-19-Pandemie besser zu bewältigen. Dazu gehören zum Beispiel effektivere Teambildungsmaßnahmen, Schulungen für Führungskräfte, Kommunikationstrainings, psychologische Begleitangebote für besonders belastete Mitarbeiter und Teams sowie die verstärkte Kommunikation von Schutzmaßnahmen für das medizinische Personal innerhalb der Kliniken“, resümiert Prof. Erim.

 

Foto: Unsplash

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