Aufklärung statt Zwang! – Bundespflegekammer lehnt Impfpflicht ab

Bundespflegekammer

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder forderte jüngst, der Deutsche Ethikrat solle eine Impfpflicht für bestimmte Bevölkerungsgruppen testen. Am 12. Januar rief er im ZDF auf zu überlegen, wie der Schutz für die „besonders hochsensiblen Bereiche, das sind die Alten- und Pflegeheime“ erhöht werden könne.

Die Bundespflegekammer hält nichts davon, gegenwärtig eine Impfpflicht für Pflegefachpersonen in Alten- und Pflegeheimen ins Spiel zu bringen. Vielmehr sollte das Augenmerk auf die Information und Aufklärung gelenkt werden. „Aus guten Gründen hat die Politik bislang eine Impfpflicht abgelehnt. Noch längst sind nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden, die Pflegefachpersonen motivierend und wertschätzend vom Sinn der Impfung zu überzeugen“, erklärt Dr. Markus Mai, Präsidiumsmitglied der Bundespflegekammer und Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz. Aus seiner Sicht erreiche man mit Zwang eher das Gegenteil. Zudem dürfe man nicht vergessen, dass es derzeit das logistische Problem des begrenzten Impfstoffes gibt und alleine schon deshalb eine Impfpflicht nicht denkbar sei.

Bislang gibt es keine belastbaren Daten, wie groß die Impfskepsis unter Pflegefachpersonen wirklich ist. „Ich merke bei uns in Rheinland-Pfalz, dass sich Pflegefachpersonen ihrer Verantwortung hinsichtlich der Corona-Impfung durchaus bewusst sind“, sagt Dr. Mai. „Ich bin mir sicher, dass sie sich weitgehend impfen lassen, sofern sie angemessen informiert und aufgeklärt sind und die für sie relevanten Fragen beantwortet werden“, führt er weiter aus. Denn schließlich sei es Teil des Berufsethos in der Pflege, Schaden von sich selbst und den anvertrauten Patienten und Bewohnern abzuwenden. Und dazu gehört die Impfung aus Sicht der Bundespflegekammer.

Zugleich fordert Dr. Mai die Politik auf, ihre Hausaufgaben beim Schutz der Pflegeeinrichtungen zu machen. „Während die Minister in der vergangenen Woche die verpflichtende Testung aller Besucher und der Mitarbeiter sogar mehrmals pro Woche beschlossen haben, wissen die Einrichtungen vor Ort gerade nicht, wie sie alle auf sie verlagerten Tätigkeiten stemmen sollen. Sie müssen Besucherströme regeln, regelmäßig testen und auch die Impfungen organisieren“, konstatiert Dr. Mai. „Die Mitarbeiter an der Basis fühlen sich allein gelassen. Es braucht eine nationale Kraftanstrengung, um die Pflegefachpersonen vor Ort beim Schutz der vulnerablen Gruppen zu unterstützen – sowohl bei den Impfungen als auch bei den Testungen“, ruft Dr. Mai die Politik zum Handeln auf.

Umfängliche Informationen zum Thema Corona-Impfung bietet die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein auf ihrer eigens errichteten Corona-Seite.

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