Corona-Pandemie: Mehr pflegende Angehörige mit Depressionen

pflegende Angehörige Depression

In der Corona-Krise haben mehr Menschen andere informell unterstützt oder gepflegt als im Jahr 2017. Sie zeigen allerdings auch mehr depressive Symptome als andere Menschen. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Alterssurvey (DEAS) des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA). Mehr als 4.700 Menschen zwischen 46 bis 90 Jahren nahmen im Juni und Juli 2020 an der Befragung teil.

Gegenüber 2017 stieg der Anteil der informell Unterstützenden und Pflegenden von 16 auf 19 Prozent. Dieser Anstieg geht vor allem auf den Einsatz von Frauen und eine stärkere Einbindung von Nachbar*innen und Freund*innen zurück. Ein weiteres Ergebnis: In der Corona-Krise zeigen mehr Menschen depressive Symptome. In besonderer Weise sind davon Menschen betroffen, die andere unterstützen oder pflegen.

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Grafik: DZA

 

Eine mögliche Erklärung: Je umfangreicher und anspruchsvoller die Unterstützung und Pflege ist, desto wichtiger ist es für die pflegende Person, auf ein gut funktionierendes Netzwerk zurückgreifen zu können. Gerade das war in der Corona-Pandemie nicht durchweg und ausreichend gewährleistet. Zirka ein Viertel der pflegenden Menschen vermisste Hilfsangebote Dritter: von der Familie oder auch von professionellen Dienstleistern.

„Es ist wichtig, in der Pandemie nicht diejenigen aus dem Blick zu verlieren, die den Großteil der Pflege in unserer Gesellschaft leisten – die pflegenden Angehörigen“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Diese Menschen dürfen in der Pandemie nicht allein gelassen werden. Um sie zu entlasten, sind schnelle Lösungen und Angebote erforderlich, zum Beispiel in Form von häuslicher Notbetreuung, psychologischer Beratung per Telefon und Verlängerung des Pflegeunterstützungsgeldes. Ohne den Einsatz pflegender Angehöriger wäre die pflegerische Versorgung in Deutschland undenkbar. Wir tun gut daran, ihre Leistung wertzuschätzen und diese Menschen bestmöglich zu unterstützen.“

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte. In der Studie werden seit mehr als zwei Jahrzehnten Menschen auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regelmäßig befragt. An der schriftlich-postalischen Befragung haben 4.762 Personen im Alter von 46 bis 90 Jahren teilgenommen. Der Deutsche Alterssurvey wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Zur vollständigen Studie kommen Sie hier.

 

Foto: Benjamin Balazs auf Pixabay

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