Mit so einem Team macht die Arbeit Spaß!

Kirsten Jürgensen, 53, hat von März bis Mai 2020 sechs Wochen ehrenamtlich in einem Pflegeheim gearbeitet. Für die gelernte Krankenschwester war das eine Chance, mal „auf Probe“ in die Pflege zurückzukehren – ganz ohne Verpflichtung.

 

Nach der Geburt meiner drei Kinder habe ich viele Jahre auf einer neurochirurgischen Station mit einer Viertelstelle gearbeitet. Im Jahr 2012 konnte ich krankheitsbedingt eine ganze Weile nicht arbeiten. Danach habe ich überlegt, ob ich wieder anfange und mich dagegen entschieden. Stattdessen habe ich in meinem Wohnort in einer Kindertagesstätte in der Küche begonnen – eine Aufgabe, die mir viel Freude macht.

Dann kamen die Pandemie und der erste Lockdown. Auch unsere Kita hatte geschlossen. In dieser Zeit habe ich zufällig den Aufruf der Pflegeberufekammer im Schleswig-Holstein Magazin gelesen, dass freiwillige Pflegekräfte gesucht werden. Da ich immer mal wieder überlegt hatte, in die Pflege zurückzugehen, habe ich mich einfach gemeldet. Nur kurze Zeit später hatte ich das Angebot, in einem Flensburger Pflegeheim auszuhelfen.

 

Nach vier Wochen den Einsatz verlängert

Bei meinem ersten Kennenlern-Termin in der Einrichtung hat der Leiter mich sehr nett herumgeführt und mir alles gezeigt. Ich habe dann einen Früh- und einen Spätdienst zur Probe gearbeitet und es hat mir gut gefallen. Der Leiter hatte mir angeboten, dass ich auch in der Beschäftigung eingesetzt werden könnte. Ich wollte aber in der Pflege arbeiten – das ist das, was ich gelernt habe und was ich gerne mache.

Die Arbeit in einem Wohnbereich mit alten Menschen war etwas komplett Neues für mich – ich hatte bislang immer nur im Krankenhaus gearbeitet. Viele Handgriffe waren mir nicht mehr vertraut. Auch war es ungewohnt, mit Menschen mit Demenz zu arbeiten. Gut gefallen hat mir, dass die Abläufe in der Altenpflege generell entspannter sind als im Krankenhaus – es gibt keine Operationen, Untersuchungen, Termine. Dadurch gibt es weniger Zeitdruck, auch wenn die Personalbesetzung in der Altenpflege natürlich sehr eng bemessen ist.

Ich hatte deswegen auch zunächst Sorge, dass ich alleine als Pflegefachkraft in einem Wohnbereich eingesetzt werden könnte. Ich habe gleich gesagt: „Ich bin ehrenamtlich hier und ich möchte nicht allein die Verantwortung tragen.“ Das war aber auch gar kein Thema. Ich konnte immer sagen, wenn mir etwas zu viel ist und das wurde akzeptiert. Ich habe zum Beispiel keine Dekubiti versorgt – damit hatte ich in der Neurochirurgie nie zu tun und hätte mich nicht sicher gefühlt. Einen Corona-Fall gab es während meines Einsatzes nicht. Eine Pflegende war aber in Quarantäne und wir hatten einige Bewohner, die nach einem Klinikaufenthalt vorübergehend isoliert und mit Kittel- und Mundschutzpflege versorgt werden mussten.

Die Arbeit hat mir so gut gefallen, dass ich nach dem ursprünglich geplanten Einsatz von vier Wochen nochmal um zwei Wochen verlängert habe. Meine Kita hatte weiter geschlossen, sodass ich noch Zeit hatte. Insgesamt war ich sechs Wochen mit einem Umfang von 25 Stunden pro Woche ehrenamtlich tätig. Bezahlt wurde ich nicht, mein Gehalt der Kita lief ja normal weiter. Meine Beschäftigung im Pflegeheim habe ich bei meinem Arbeitgeber aber als Nebentätigkeit angemeldet. Die Pflegeeinrichtung selbst hat mir ihren Dank immer wieder durch kleine Geschenke und Blumensträuße ausgedrückt.

 

Herzliche Aufnahme ins Team

Die Motivation der Pflegenden im Heim hat mich sehr beeindruckt. Ich dachte: Toll, was die für einen Elan mitbringen, das ist wirklich eine Berufung für die. Diese Begeisterung steckt an – mit so einem Team macht die Arbeit wirklich Spaß! Die Pflegenden haben mich sehr herzlich aufgenommen und mir bei Fragen immer sofort geholfen. Und fragen musste ich häufig, da ich ja die ganzen Abläufe nicht kannte.

Auch die Betreuung der Bewohner*innen oder besser: Mieter*innen, wie wir sie genannt haben, hat mir sehr gut gefallen. Ich hatte vorher etwas Respekt vor der Altenpflege, habe aber bald gemerkt, wie schön die Arbeit mit alten Menschen ist. Sie freuen sich immer, wenn sie einen wiedersehen und sind so dankbar, wenn man ihnen etwas Aufmerksamkeit und Zuwendung schenkt. Mir hat der Einsatz auf jeden Fall die Angst vor der Altenpflege genommen.

Für mich persönlich waren diese sechs Wochen Rückkehr in die Pflege eine sehr gute Erfahrung. Und ich wusste: Wenn es mir nicht gefällt, kann ich ja wieder gehen. Es war quasi eine Möglichkeit, mal „auf Probe“ in die Pflege zurückzugehen – und das ohne jegliche Verpflichtung. Eine tatsächliche Rückkehr in die Pflege schließe ich für mich nicht aus. Da bin ich aber noch im Findungsprozess, ich brauche immer eine Weile. Allerdings kenne ich die Bedingungen zu gut. Ich weiß, dass mir die Pflege viel Spaß macht, aber ich kenne auch den Zeitdruck, das ständige Einspringen, die hohe Verantwortung. Wären die Bedingungen anders, würde mir diese Entscheidung vielleicht leichter fallen. Ich finde es deshalb auch gut, dass die Pflege gesellschaftlich jetzt mal richtig in den Fokus gerät. Ich kenne einige Pflegende, die aufgrund der Arbeitsbedingungen in ganz andere Richtungen gegangen sind. Da muss man sich doch mal fragen: Warum gehen all diese guten Pflegepersonen?

 

Der ehemalige Pflegepool der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein ist in die Online-Plattform #pflegereserve übergegangen. Die Bundespflegekammer hat diese Plattform seit Januar 2021 übernommen. Es werden weiter freiwillige Pflegereservist*innen gesucht.

Mehr Infos dazu unter: https://pflegereserve.de

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