Caritas lehnt flächendeckenden Tarifvertrag für Altenpflege ab

Altenpflege: Fachkräftemangel hat sich dramatisch verschärft

Der Versuch, in der Altenpflege einen flächendeckenden Tarifvertrag einzuführen, ist am Widerstand der katholischen Wohlfahrtsorganisation Caritas gescheitert. Die Arbeitsrechtliche Kommission der Caritas lehnte am 25. Februar mehrheitlich einen entsprechenden Antrag ab. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) und Verdi hatten sich zuvor auf einen Tarifvertrag für Altenpfleger geeinigt, der deutliche Lohnerhöhungen in mehreren Schritten vorsieht. BVAP und Verdi wollten den Tarifvertrag allgemeinverbindlich erklären lassen. Dafür brauchte es aber die Zustimmung der kirchlichen Träger, zu denen auch der katholische Caritas-Wohlfahrtsverband gehört. Die Entscheidung der Diakonie steht noch aus.

Durch die Ablehnung der Caritas kann nun ein entsprechender Antrag beim Bundesarbeitsministerium nicht gestellt werden – unabhängig vom Votum aus der Diakonie, das noch am 26. Februar erwartet wird. „Das ist eine klare Enttäuschung für alle Beschäftigten in der Altenpflege“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Ein flächendeckender Tarifvertrag hätte zumindest dazu beigetragen, prekären Arbeitsbedingungen einen Riegel vorzuschieben. Er wäre ein wichtiger Schritt gewesen, um zu einer gerechteren Bezahlung in der Langzeitpflege beizutragen. Es ist enttäuschend und eine Geringschätzung für die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in diesem Bereich, dass hier nicht alle Arbeitgeber eine kollektive Verantwortung übernehmen.“

Verantwortung übernehmen müsse allerdings auch der Gesetzgeber. „Um die Gehälter in der Langzeitpflege zu steigern, muss gesetzlich klargestellt werden, dass höhere Haustarife in Vergütungsverhandlungen anerkannt und die Refinanzierung einer deutlich übertariflichen Bezahlung von den Kostenträgern nicht als unwirtschaftlich abgelehnt werden darf“, fordert Drube. Das Thema Pflegegehälter sei mit der Ablehnung des Tarifvertrags nicht vom Tisch. „Eine Million Beschäftigte – und damit Wähler – sind von dieser Entscheidung betroffen. Das Thema Pflegegehälter wird damit mit Sicherheit eine Rolle im bevorstehenden Bundestagswahlkampf spielen. Wir werden weiter für faire Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen kämpfen – dieser Weg ist noch lange nicht zu Ende“, sagt Drube.

 

Foto: Sven Wied

Kommentare sind geschlossen.

Newsletter-Popup

Jetzt den Pflegeberufekammer-Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben.

Felder mit einem * sind Pflichtfelder



Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unseren Datenschutzbestimmungen zu.