Die Stärke der Kammer: Nah am Puls der Pflegeprofis

Er hat es selbst erlebt, was es bedeutet, auf bestmögliche medizinische und pflegerische Betreuung angewiesen zu sein:  Im vergangenen Jahr erlitt Peter Johannsen einen Schlaganfall.  Johannsen, 65 Jahre alt und langjähriger Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, immer mit beiden Beinen im Berufsleben gestanden und unter den Landwirten im Norden eine bekannte Persönlichkeit, musste sich plötzlich in einer Klinik behandeln lassen. Von einem Tag zum anderen war er nun abhängig von den Entscheidungen der Ärzte und PflegerInnen.

Bei einem Schlaganfall ist schnelles medizinisches Handeln wichtig, aber nicht nur das.  Durch Symptome wie Lähmungserscheinungen und sprachliche Schwierigkeiten ist eine einfühlsame pflegerische Unterstützung von großer Bedeutung. Doch das ist nur eine Seite dieser Aufgabe. Pflegende auf spezialisierten Stationen, den sogenannten Stroke Units (engl. für Schlaganfall-Station), arbeiten zudem stark daran die Patienten zu motivieren und zu aktivieren – und vor allem dahingehend zu helfen, dass die Betroffenen schnellstmöglich ihre Fähigkeiten zur Bewältigung des Alltags wiedererlangen. Diese Arbeit ist anspruchsvoll und, das weiß auch Peter Johannsen, nur durch die Kompetenz basierend auf fundierten Aus- und Weiterbildungskonzepten möglich. Pflegende arbeiten stets an der Schnittstelle zwischen körperlicher und seelischer Fürsorge und medizinischer Versorgung – eine Aufgabe, die viel Fachwissen erfordert. „Die medizinische Versorgung war mir wichtig, aber auch die menschliche und fachlich versierte Begleitung von Pflegeprofis, die mir sehr geholfen haben“, erzählt Johannsen. Er hatte Glück im Unglück: Sein eher leichter Schlaganfall verlief komplikationslos, er ist inzwischen genesen.

 

Als Patient gepflegt, als Mensch gesehen worden

Seine eigene persönliche Erfahrung, aber auch die Erlebnisse der Betreuung seiner betagten Mutter haben Peter Johannsen um eine Erkenntnis bereichert: „Betten machen, waschen, Verband wechseln – das ist die Routine-Seite der Pflege. Aber dabei nicht nur als Patient angesehen zu werden, sondern als Mensch, das ist die wahre Leistung von Pflegenden“, sagt Johannsen. Als ich das erlebt habe, habe ich gespürt: das ist genauso wichtig wie die schulmedizinische Betreuung. Da kann man nur Achtung haben vor den Pflegenden, die durch die Corona-Pandemie an ihrer Belastungsgrenze angekommen sind. Ich habe den größten Respekt vor dem Krankenhauspersonal!“.

Diese Leistung, findet der Schleswig-Holsteiner, verdient eine größere gesellschaftliche Anerkennung, aber auch mehr Gehalt: „Pflegeberufe verdienen mehr, außer Frage.“

 

Selbstverwaltung richtig und wichtig

Warum Peter Johannsen sich für die Arbeit der Pflegeberufekammer stark machen möchte, erklärt sich durch seine frühere Tätigkeit: Als Geschäftsführer einer vergleichbaren Institution, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Der Agrarwissenschaftler und Lehrer verantwortete die Geschäfte der Kammer von 2013 bis 2020. Er weiß, wie eine Selbstverwaltung funktioniert. Und warum sie so sinnvoll ist. Nicht nur aus theoretischer Sicht, sondern auch praktisch, durch den elterlichen Bauernhof im Christian-Albrechts-Koog. Eine Kammer sei nicht nur für Landwirte, Ärzte, Apotheker oder Juristen richtig, sondern auch für Pflegende: „Ich bin davon überzeugt, dass eine Selbstverwaltung für diesen Sektor wichtig ist“, erklärt er.

 

Weshalb möchte er die Etablierung und Stärkung der Pflegeberufekammer im Norden voranbringen?

„Besonders aus einem Grund: Mit der Selbstverwaltung als Steuerungselement, besetzt mit Experten aus genau diesem Berufsstand, können Pflegeprofis die Richtlinien der Pflege-Arbeit selbst entwickeln und die Zukunft sichern und gestalten“, so Johannsen.

 

Parallelen zwischen beiden Kammern

Zwischen dem Engagement einer landwirtschaftlichen Kammer für den Berufsstand der Bauern und dem einer pflegeberuflichen Kammer sieht Peter Johannsen durchaus Parallelen: Etwa in der Organisationsstruktur und den Netzwerken, die, so gibt er gern zu, bei der Landwirtschaftskammer freilich über viele Jahrzehnte gewachsen sind, bei der vergleichsweise jungen Pflegeberufekammer jedoch noch ausbaufähig sind. Das habe er in seiner aktiven Zeit bei der Landwirtschaftskammer analog so gehandhabt: „Ob Gärtner, Förster, Fischer, Landwirte: Die Aufgabe einer Kammer ist es, Antworten zu finden auf Fragen wie „Was müssen wir machen, wo drückt der Schuh?“. Dies versteht Peter Johannsen als grundlegendes Selbstverständnis für das Konstrukt „Selbst verwaltet und selbst gestaltet“.

Genau in dieser Netzwerkarbeit, dem Kontakt mit der Basis, dem Ohr für die Anliegen der Pflegenden, sieht er die wichtigste Aufgabe und Stärke der Einrichtung aus Neumünster: „Ganz nah dran sein – am Puls der Zeit und sozusagen auch am Puls der Pflegeprofis.“

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