KGSH warnt: Kliniken steuern auf wirtschaftliches Desaster zu

Kliniken in Not

Allein im Monat Januar 2021 hatten die schleswig-holsteinischen Krankenhäuser durch die Coronavirus-Pandemie bedingte Erlösrückgänge in Höhe von rund 60 Millionen Euro, wie die Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH) aus einer Umfrage berichtet. Davon entfallen mehr als 50 Millionen Euro auf die stationäre und tagesklinische Behandlung. Dies entspricht einem prozentualen Rückgang von 23 Prozent.

Einige Krankenhäuser erhalten zwar Ausgleichszahlungen des Bundes in Höhe von gut 20 Millionen Euro. Damit verbleiben bei den Krankenhäusern jedoch nicht ausgeglichene Mindererlöse von rund 30 Millionen Euro allein aus dem Monat Januar. „Die wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser ist somit bereits jetzt angespannt und wird sich absehbar zuspitzen“, erläutert KGSH-Geschäftsführer Patrick Reimund. Ein Ende der Pandemie sei nicht in Sicht und selbst die unzureichenden Ausgleichszahlungen werden bei vielen Krankenhäusern in Kürze auslaufen, da der Inzidenzwert in den meisten Kreisen unterhalb von 70 liege.

Die KGSH fordert deshalb dringend Nachbesserungen bei den Ausgleichszahlungen und Regelungen für das gesamte Jahr 2021. Mit dem drohenden Auslaufen der Ausgleichszahlungen steuern die Kliniken auf ein wirtschaftliches Desaster zu. Laut einer Umfrage der KGSH erwarten die Krankenhäuser im Norden für das gesamte Jahr 2021 einen Belegungsrückgang von 12 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 2019. Dadurch entstehen hohe Erlösausfälle auch in den Krankenhäusern, die nicht in die Ausgleichszahlungen einbezogen sind.

Die coronabedingten zusätzlichen Aufwände in den Krankenhäusern können nicht mit Behandlungsleistungen erwirtschaftet werden. Darauf weist die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein hin. „Zur Sicherung der Personalstellen der Pflegenden ist es erforderlich, den Krankenhäusern eine Budgetsicherheit für 2021 zu gewähren“, fordert Frank Vilsmeier, Vizepräsident der Pflegeberufekammer. „Auf keine Planstelle im Kranken kann verzichtet werden. Sie werden sehr bald wieder für den Regelbetrieb benötigt. Bis dahin erwarten wir eine Absicherung der Krankenhäuser.“

Der Hintergrund der finanziellen Schieflage in Kliniken: Planbare Behandlungen und Eingriffe müssen in der Pandemie verschoben werden. Hinzu kommen Mehrkosten durch die Versorgung von COVID-19 Patient*innen und Erlösausfälle in anderen Versorgungsbereichen wie etwa Ambulanzen. Patient*innen meiden teilweise aus Sorge vor einer Ansteckung die Krankenhäuser. Ein Regelbetrieb ist auf lange Zeit nicht in Sicht. Der Personalaufwand ist durch Hygieneschulungen, Zeitaufwand für Hygienemaßnahmen, Schulung für den Einsatz in intensivmedizinischen Bereichen und durch Krankheit und Ausfallzeiten hoch. Auch in der Psychiatrie entstehen hohe Erlösausfälle. Neben den oben genannten Aspekten können zum Beispiel Therapien nur in kleineren Gruppen durchgeführt werden.

 

Foto: Pixabay/Sasin Tipchai

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