Pflegende fühlen sich im zweiten Corona-Lockdown nur schlecht geschützt

Pflegende in der zweiten Welle

Sorge um ausreichend Schutzmaterialien und Angst vor einem weiteren Personalmangel beschäftigen beruflich Pflegende im zweiten Corona-Lockdown. Das zeigt eine Online-Befragung, die der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) im Dezember 2020 durchgeführt hat. 3.571 beruflich Pflegende aus ganz Deutschland haben teilgenommen. Von diesen arbeiten fast zwei Drittel im Krankenhaus, 18 Prozent in der Langzeitpflege, 16 Prozent bei einem ambulanten Pflegedienst, 2,3 Prozent in einer Rehabilitationseinrichtung. Fast 30 Prozent der Befragten gaben an, auf Intensiv- oder Covid-Stationen zu arbeiten.

Die Ergebnisse: Mehr als 57 Prozent der Teilnehmenden fühlen sich während ihrer Arbeit nicht sicher vor einer Covid-Infektion geschützt und 86 Prozent fürchten noch weitere Herausforderungen auf sich zukommen. Auf die Frage, bei welchen Schutzmaterialien Engpässe erwartet werden, gaben mehr als 56 Prozent an, dass sie einen Mangel an FFP-2- und medizinischen Schutzmasken fürchten. Bei rund 19 Prozent der Befragten herrschte hier zum Befragungszeitpunkt bereits ein Mangel. 51,4 Prozent der Befragten befürchten bei steigenden Infektionszahlen vor allem einen sich noch weiter verschärfenden Personalmangel.

37,9 Prozent gaben an, dass es in ihrer Einrichtung ein Angebot zur psychosozialen Unterstützung, Beratung oder Supervision gibt, 62,1 Prozent verneinten dies. Auf die Frage, wie oft die Befragten in den letzten zwölf Monaten, ihren Beruf oder den Arbeitgeber zu wechseln, gaben rund ein Drittel an, dass sie den Gedanken häufig hatten. 31,3 Prozent überlegten, den Arbeitgeber zu wechseln, 32,1 Prozent dachten häufig daran, den Beruf aufzugeben.

„Die Ergebnisse der Online-Befragung alarmieren und fordern zum Handeln auf“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Ausreichend Schutzausrüstung zu haben, ist eine grundlegende Voraussetzung, um sich bei der Arbeit mit Covid-19-Infizierten sicher fühlen zu können. Dass es hier nach einem Jahr Pandemie immer noch Engpässe gibt, ist ein Skandal.“ Auch brauche es dringend mehr psychosoziale Unterstützung. „Wir wissen um die hohe psychische und emotionale Belastung der Pflegenden“, sagt Drube. „Dass fast zwei Drittel in diesem Bereich keinerlei Unterstützung erfahren, ist nicht hinzunehmen. Wenn wir die Pflegenden nicht besser schützen, werden einige von ihnen nicht nur über einen Berufsausstieg nachdenken, sondern diesen in die Tat umsetzen. Angesichts des bereits bestehenden Fachkräftemangels wäre das fatal.“

Pflegende, die um fehlende Schutzmaterialien fürchten oder sich in der Pandemie überlastet fühlen, können sich gerne an die Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein wenden: pflegereferenten@pflegeberufekammer-sh.de. Die Pflegereferentinnen vermitteln Unterstützungsangebote und stehen bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite.

 

Foto: Unsplash/Vladimir Fedotov

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