„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Altenpflege leisten Herausragendes.“

Ein Interview mit Matthias Gatermann, Leiter des DRK-Senioren- und Pflegezentrums im Park in Lübeck. Durch seine Arbeit hat es einen tiefen Einblick in nahezu alle Themen rund um die Pflege, insbesondere aber die Altenpflege. Seine Einrichtung, die zum DRK-Landesverband Schleswig-Holstein gehört, beschäftigt 59 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 36 in der Pflege.

 

Herr Gatermann, der demographische Wandel prägt Deutschland immer stärker. Das Durchschnittsalter ist allein in den vergangenen 10 Jahren um zwei auf jetzt 46 Jahre gestiegen. Was leistet Pflege für unsere alternde Gesellschaft?

 

Gatermann: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Altenpflege leisten herausragendes. Sie verfügen über eine gute Ausbildung, sind sehr engagiert und verfügen über sehr viel Empathie. Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kann ich ausnahmslos sagen: Pflege ist für sie kein Beruf, sondern eine Berufung. Neben den körperlichen hohen Anforderungen bedeutet insbesondere Altenpflege aber auch eine immer stärkere psychische Belastung: die Verweildauer der Bewohnerinnen und Bewohner sinkt, gleichzeitig steigt der Anteil der Demenzerkrankungen. Auch der Anteil der Sterbebegleitungen steigt. Das alles stellt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor große Herausforderungen, Leider wird dieser tolle Einsatz aber von unserer Gesellschaft nicht entsprechend honoriert.

 

Was bedeutet für Ihre Einrichtung und ihr Personal die Herausforderung der Corona-Pandemie?

 

Gatermann: Die Corona-Pandemie ist für alle, sowohl Bewohnerinnen und Bewohner als auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große Belastung. Die psychische Belastung des Personals ist dabei allerdings besonders groß. Wir verfügen über sehr ausgeklügelte Sicherheits- und Hygienekonzepte, dennoch fragen sich viele Pflegende tagtäglich, ob sie nicht doch möglicherweise das Coronavirus in die Einrichtung tragen. Darunter leiden viele. Wir testen zwei Mal pro Woche die gesamte Einrichtung durch. Jeder Angehörige, der in die Einrichtung zu Besuch kommt, muss getestet werden sowie alle Externen, die unser Haus betreten. Da wir dies aktuell noch nicht über fremdes Personal organisieren können, muss dies zusätzlich zu den vielen anderen Aufgaben von unserem eigenen Personal geleistet werden. Hinzu kommen gefühlt wöchentlich neue Handlungsanweisungen und Beschlüsse von der Politik, die wir jeweils sofort umsetzen müssen.

 

Was müsste sich verändern, damit Pflege den Stellenwert in der Gesellschaft bekommt, den sie verdient?

 

Gatermann: Der Beruf muss deutlich attraktiver gestaltet werden und alle Beteiligten aus dem System Pflege – insbesondere die Politik – müssen die Werbetrommel für den Beruf noch sehr viel stärker als bisher rühren. Die generalistische Pflegeausbildung hat die Anforderungen ja nochmals erhöht. Damit sind die Anforderungen an den Beruf und die Ausbildung nochmals gestiegen. Wir müssen auch finanziell mehr für die Pflegenden tun – das DRK hat im vergangenen Jahr dazu bereits einen ersten wichtigen Schritt gemacht. Und Pflegekassen sollten die so genannten Stellenschlüssel anheben, damit wir mehr Personal in den Einrichtungen einsetzen dürfen, um so die Arbeitsbelastung für den Einzelnen zu senken. Sehr positiv ist, dass insbesondere das DRK viel für die Pflegenden an Möglichkeiten zur Verfügung stellt, wie z.B. die Refinanzierung von Ausbildungsplätzen über den Ausbildungsfonds oder auch psychologische Beratungsangebote oder ausführliche Fort- und Weiterbildungsprogramme.

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