ICN warnt vor Abwanderung erfahrener Pflegender

Patricia Drube

Ein Jahr nach Beginn der Covid-19-Pandemie warnt der International Council of Nurses (ICN) vor einem weltenweiten Exodus erfahrener Pflegefachpersonen. Die Pandemie habe die Pflegenden unter einen enormen Druck gesetzt, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Zahl derjenigen, die ihren Beruf aufgeben wollten, sei enorm gestiegen. Eine neue Umfrage des ICN zeige, dass fast jeder fünfte der befragten nationalen Pflegeverbände von einem Anstieg der Pflegenden berichte, die den Beruf verlassen. 90 Prozent seien „etwas oder extrem besorgt“, dass hohe Arbeitsbelastungen, unzureichende Ressourcen, Burn-out und Stress die Faktoren sind, die diesen Exodus vorantreiben.

Es sollte ein Weckruf für die Regierungen sein, wenn eine große Anzahl erfahrener Pflegender den Beruf verlässt oder in Erwägung zieht, nach der Pandemie eine Auszeit zu nehmen, betont der ICN. Es reiche auch nicht, wenn Regierungen nun in die Ausbildung von neuen Pflegenden investieren. Es werde mindestens drei Jahre dauern, bis diese ausgebildet sind und sie werden als Neulinge Zeit brauchen, bis sie in die Fußstapfen ihrer erfahrenen Kolleg*innen treten können. Bereits zu Beginn der Pandemie fehlten laut dem ICN weltweit bis zu sechs Millionen Pflegende. Weitere vier Millionen werden voraussichtlich bis 2030 in den Ruhestand gehen, was die globale Pflegebelegschaft unter einen untragbaren Druck setze.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass die Zahl der erfahrenen Pflegenden weiter sinkt“, betont auch Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Seit Beginn der Pandemie setzen sich die Pflegenden mit vorbildlichem Einsatz und Engagement dafür ein, die Gesundheitsversorgung unter teilweise unwürdigen Bedingungen bestmöglich aufrechtzuerhalten.“ Wichtig sei nun, dass die Politik schnell handele, damit Pflegende bessere Arbeitsbedingungen, aber auch mehr Gehalt erhalten. Drube plädiert zudem für eine staatlich finanzierte Zusatzrente für Pflegende sowie einen Anspruch auf drei Wochen Reha alle drei Jahre für jede Pflegefachperson. „Die Pflegenden haben sich als die wahren Leistungsträger der Pandemie erwiesen. Wir müssen alles dafür tun, sie zu unterstützen und zu halten“, so Drube.

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