So soll die Intensivpflege in Deutschland gestärkt werden

Situation Intensivpflege Deutschland

Die Personalsituation in der Intensivpflege war schon vor der COVID-19-Pandemie angespannt. In der Krise hat sich nunmehr erheblich zugespitzt. Die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) sowie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) haben deshalb nun in einer „Stellungnahme zur Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland“ konkrete Forderungen vorgelegt. Denn: „Eine deutliche und schnelle Verbesserung der Situation ist zwingend erforderlich, um einen Exodus vieler Intensivstationen zu verhindern und die Versorgungssicherheit der lebensbedrohlich erkrankten Patienten aufrechtzuerhalten“, heißt es in der Stellungnahme.

DGF und DIVI schlagen folgende Maßnahmen zur kurzfristigen Entlastung sowie dauerhaften Verbesserung der Situation auf Intensivstationen vor.

  1. Akzeptable Arbeitsbedingungen schaffen
  • Die Umsetzung der Pflegepersonaluntergrenzen-Versordnung (PpUGV) schärfen
  • So schnell wie möglich ein am Pflegebedarf orientiertes, validiertes Personalbemessungsinstrument einführen, das die PpUGV ergänzt
  • Bei dauerhafter Unterbesetzung müssen Betten geschlossen werden
  • In der normalen Dienstplanung Kapazitäten für Notfälle freihalten
  • Dienstplanung verbindlich gestalten
  • Kreative und moderne Arbeitszeitmodelle implementieren
  • Neue Wege gehen, z.B. 80 % Arbeitszeit bei 100 % Entlohnung
  1. Psychosoziale Unterstützungen der Mitarbeitenden und Mitarbeiterfürsorge
  • Physische und psychische Gesundheit fördern
  • Peer-Support-Strukturen aufbauen und langfristig implementieren
  • Perspektivisch Psycholog*innen als feste Teammitglieder auf Intensivstationen einstellen
  1. Optimierung der interprofessionellen Teamarbeit
  • Qualifikations- und Skill-Mix für Teams definieren und implementieren
  • Patienten- und pflegeferne Tätigkeiten und Bürokratie drastisch reduzieren
  1. Kompetenzen in der Intensivpflege erweitern
  • Übernahme heilkundlicher Tätigkeiten für Intensivpflegepersonen mit Fachweiterbildung (FWB) rechtlich abgesichert ermöglichen
  • Diese Tätigkeiten als Vorbehaltsaufgaben für Intensivpflegende mit FWB definieren
  1. Berufliche Perspektiven schaffen
  • Handlungsautonomie der Intensivpflege, verbunden mit einer Neubewertung der Entgeltgruppe von den Tarifpartnern umsetzen
  • Grundgehalt deutlich erhöhen und Tarif anpassen für Pflegende mit FWB, mit zusätzlichem akademischem Abschluss, mit besonderer Verantwortung sowie festangestelltes Personal im Vergleich zu Leasing-Personal
  • Besteuerung für Sonn-, Feiertags- und Nachtdienstzulagen sowie Überstunden aufheben
  • Attraktive steuerfreie Zuschläge für Ad-hoc-Einspringen
  • Finanzierung der FWB anlog zu den grundständigen Ausbildungen sicherstellen
  • Eine Intensivfachkraftquote für alle Bereiche der klinischen Intensivversorgung definieren
  • Die FWB I + A dem Qualifikationsniveau 6 im DQR zuordnen
  1. Politischen Einfluss der Pflege stärken
  • Vertreter der Pflege als vollwertiges, stimmberechtigtes Mitglied im Gremium des G-BA benennen
  • Politischen Rückenwind für Pflegekammern geben und Landesregierungen auffordern, den Prozess der Etablierung von Pflegekammern positiv zu unterstützen
  • Valide Zahlen zu Anzahl und Qualifikation von Intensivpflegenden in Deutschland erheben

Die vollständige Stellungnahme:

DGF und DIVI Stellungnahme zur Stärkung und Zukunft der der Intensivpflege in Deutschland

 

Foto: Unsplash/Hush Naidoo

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