Zahl der Pflegenden in der Pandemie rückläufig – auch SH betroffen

Zahl der Pflegenden rückläufig

Bundesweit ist die Zahl der Beschäftigten in der Pflege zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 um mehr als 9.000 zurückgegangen. Das entspricht einem Rückgang um 0,5 Prozent in rund vier Monaten. Sowohl Krankenhäuser wie auch Altenpflegeeinrichtungen sind von diesem Verlust in der ersten Welle der Corona-Pandemie betroffen. Diese Zahlen beruhen auf einer Datenabfrage der Linken-Bundestagsfraktion bei der Bundesagentur für Arbeit. Die Zeitungen der Funke-Mediengruppe hatten zuerst darüber berichtet.

Auch in Schleswig-Holstein ist es zu einem Rückgang an Pflegenden gekommen. Allerdings sank die Zahl der Pflegenden mit 0,25 Prozent nur halb so stark wie im bundesdeutschen Durchschnitt. Lediglich in Nordrhein-Westfallen war der Rückgang mit 0,15 Prozent niedriger – in allen anderen Bundesländern lag er höher. Dennoch ist auch in Schleswig-Holstein die Personalsituation in der Pflege sehr ernst – gerade mit Blick auf die zweite Welle der Pandemie. „Viele Pflegende fühlen sich gerade jetzt allein gelassen und ausgebrannt. Ich bin mir sicher, dass wir in einem halben Jahr noch weniger Pflegepersonal haben werden“, sagt Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Wenn man ständig zur üblichen Unterbesetzung mit noch weniger Kollegen arbeiten muss, in hohem Maß einem Infektionsrisiko ausgesetzt ist und durchgehend in Schutzmontur tätig sein muss, dann sind die Kräfte von Pflegefachpersonen irgendwann mal am Ende.“

Hinzu komme: Knapp 40 Prozent aller Pflegefachpersonen in Schleswig-Holstein werden in den nächsten zehn bis zwölf Jahren in den Ruhestand gehen: 39,7 Prozent der registrierten 27.087 Mitglieder der Pflegeberufekammer sind 51 Jahre und älter. „Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir auf einen dramatischen Engpass in der pflegerischen Versorgung zusteuern“, warnt Drube. Wichtig sei nun, dass die Politik schnell handele, damit Pflegende bessere Arbeitsbedingungen, mehr Entscheidungskompetenz, aber auch mehr Gehalt erhalten: „Ein examinierter Pfleger muss 4.000 Euro Einstiegsgehalt bekommen“, fordert Drube. Auch eine staatlich finanzierte Zusatzrente für Pflegende sowie ein Anspruch auf drei Wochen Reha alle drei Jahre für jede Pflegefachperson könnten den Beruf zusätzlich attraktiv machen. „Nur so können wir die Menschen im Beruf halten und dann im nächsten Schritt für einen Wiedereinstieg werben.“

 

Foto: Pixabay/Alexandra_Koch

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