Charité-Studie zur ersten Welle: Systemrelevant und sehr belastet

Belastungen Pflegende Covid-19

Die deutschen Pflegeheime entwickelten sich im Frühjahr 2020 zu so genannten „Hotspots“ der Covid-19-Pandemie und verzeichneten infolgedessen ca. ein Drittel aller an Corona Verstorbenen während der ersten Infektionswelle. Wie erging es dem Pflegepersonal in dieser Zeit? Was hat die Pflegenden besonders belastet? Um diese Frage zu klären, führte das Institut für Medizinische Soziologie der Berliner Charité von November 2020 bis Ende Februar 2021 eine Online-Befragung durch. Mehr als 800 Pflegende in deutschen Alten- und Pflegeheimen ab 16 Jahren wurden befragt, darunter Altenpfleger*innen, Gesundheits- und Krankenpfleger*innen sowie Pflegehilfspersonen. Ziel war es, deutschlandweit Daten über die Belastungen des Pflegepersonals während der Corona-Pandemie zu generieren. Die wichtigsten ersten Ergebnisse:

Viele pflegten mit eigenem Risiko für schweren Covid-19-Verlauf: Mehr als die Hälfte des befragten Pflegepersonals besaß selbst ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung: 55,1 Prozent des Pflegepersonals gab an, dass sie mindestens einen Risikofaktor aufweisen. 21 Prozent gaben chronische Erkrankungen an, 16 Prozent Herzkreislauferkrankungen.

Drei Viertel der Befragten erlebte Covid-19-Ausbruch in der eigenen Einrichtung: 74,5 Prozent des Pflegepersonals berichteten, dass es mindestens einen Covid-19-Fall in ihrem Pflegeheim gab – entweder unter den Bewohner*innen oder dem Pflegepersonal. 27,3 Prozent des Pflegepersonals berichteten von mehr als 20 Covid-19-Fällen unter den Bewohner*innen in ihrer Einrichtung.

Die Arbeitsanforderungen unter der Pandemie sind stark gestiegen: 94,1 Prozent gaben an, dass die Arbeitsanforderungen seit dem 1. März 2020 unter der Corona-Pandemie gestiegen sind. Davon berichteten 57,6 Prozent eine stark und 36,5 Prozent eine eher gestiegene Arbeitsanforderung aufgrund der Corona-Pandemie.

Sorgen der Angehörigen belasteten Pflegepersonal stark: Die stärkste Belastung der Pflegenden: die hohen Erwartungen der Angehörigen, die während der ersten Infektionswelle strikten Besuchsregelungen in den Pflegeheimen folgen mussten. 95 Prozent der Befragten gaben an, dass sie dies belastete, 55 Prozent davon empfanden dies als sehr starke Belastung.

Die größte Befürchtung: die eigene Familie anzustecken: 73 Prozent der befragten Pflegenden befürchteten gesundheitliche Konsequenzen für eigene Angehörige nach eigener Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus, 53,1 Prozent fürchtete gesundheitlichen Konsequenzen für sich selbst nach eigener Infektion.

Hoher Anteil zeigte bedenkliche Stress-, Depressions- und Angstsymptome: 38 Prozent des befragten Pflegepersonals wiesen Stresssymptome auf, die in einen bedenklichen Bereich fallen – davon zeigten 14,9 Prozent eine schwere und 6,8 Prozent eine sehr schwere Stresssymptomatik. Weiterhin konnten bei 40,9 Prozent und 36,3 Prozent des Pflegepersonals Depressions- und Angstsymptome festgestellt werden. Diese weisen in diesem Umfang auf ein mögliches Vorliegen einer depressiven Störung bzw. Angststörung hin.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.

 

Foto: Pixabay/Alexandra Koch

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