Studie in „The Lancet“: Festgelegte Personalschlüssel zahlen sich aus

Personalschlüssel in der Pflege Studie

Staatlich vorgegebene Pflegepersonalschlüssel haben im australischen Queensland zu einem Rückgang von Todesfällen und Wiedereinweisungen sowie verkürzten Liegezeiten geführt. Das zeigt eine im Mai 2021 in „The Lancet“ veröffentlichte Studie. Die Einführung eines Mindestverhältnisses von einer Pflegefachperson zu vier Patient*innen (tagsüber) und zu sieben Patient*innen (nachts) senkte die Sterblichkeit der Patient*innen und die Wahrscheinlichkeit für Wiedereinweisungen um 7 %, Die Liegezeiten gingen um 3 % zurück.

Der Hintergrund der Studie: Im Jahr 2016 wurde in Queensland (Australien) in ausgewählten Krankenhäusern ein Mindestpersonalschlüssel für das Verhältnis von Pflegefachpersonen zu Patient*innen eingeführt. In der Studie verglich das Forscherteam 27 Krankenhäuser in Queensland, die dieser Quotenregelung unterlagen, mit 28 Vergleichskrankenhäusern, die ähnliche Patienten entließen, aber nicht der Quotenregelung unterlagen. Die erste Datenerhebung erfolgte zu Beginn der Studie (2016), die zweite nach der Einführung der Quotenregelung (2018). Insgesamt wurden Daten von knapp 500.000 Patient*innen ausgewertet. Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie: Die durch kürzere Liegezeiten und weniger Wiedereinweisungen vermiedenen Kosten waren mehr als doppelt so hoch wie die Kosten für das zusätzliche Pflegepersonal.

Trotz einiger Hinweise darauf, dass mehr Pflegefachpersonen in Krankenhäusern der Patientensicherheit zugutekommen könnten, wurden ähnliche Maßnahmen weltweit nicht in großem Umfang umgesetzt, heißt es in einem Artikel von „medicalxpress“ zur Lancet-Studie. Das sei teilweise auf fehlende Daten zu den langfristigen Auswirkungen und Kosten sowie auf begrenzte Ressourcen zurückzuführen. „Unsere Ergebnisse schließen eine entscheidende Datenlücke, die eine flächendeckende Einführung von Personalvorgaben für Pflegefachpersonen verzögert hat“, wird der Hauptautor der Studie, Professor Matthew McHugh von der University of Pennsylvania School of Nursing, USA. zitiert. „Gegner dieser Maßnahmen äußern oft Bedenken, dass es keine eindeutige Bewertung der Maßnahmen gibt. Wir hoffen, dass unsere Daten die Menschen von der Notwendigkeit eines Mindestverhältnisses zwischen Pflegefachpersonen und Patienten überzeugen, indem sie klar zeigen, dass eine qualitativ hochwertige Pflege für die Patientensicherheit und -versorgung unerlässlich ist.“

„Seit Jahren werden in Deutschlands Kliniken mit weniger Personal angeblich die Kosten saniert“, sagt dazu Patricia Drube, Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein. „Diese Studie aus Australien zeigt jetzt das Gegenteil: Eine vorgegebene Mindestbesetzung von Pflegepersonal verringert die Zahl der Todesfälle, verhindert Wiedereinweisungen, verkürzt Krankenhausaufenthalte und reduziert darüber hinaus Kosten. Wird über einen solchen Mindestpersonalschlüssel sichergestellt, dass jeder Patient eine qualitativ hochwertige Pflege erhält, erhöht dies nachweislich die Patientensicherheit. Politische Entscheidungsträger, die diese Erkenntnisse ignorieren, nehmen billigend in Kauf, dass Menschen unnötige Komplikationen erleiden oder sogar sterben.“

 

Foto: Sven Wied

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